„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

§ 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches

Wir betreiben diesen Blog seit April 2021 und fordern öffentlich die Einhaltung dieser unmissverständlichen Norm, fordern die konsequente Durchsetzung von Kinderschutz an allen Waldorfschulen in Deutschland.

***Die im Untertitel unseres blogs zitierte Frage eines Elternteils unserer Schule an ein schon lange engagiertes Mitglied unserer Initiative im Jahr 2018, verdeutlicht ein Teil des Problems: die schweigende, wegschauende Mehrheit. Die Antwort beschreibt unsere Motivation, den Weg weiterzugehen, den wir – verzweifelt – im Dezember 2019 mit unserem Offenen Brief eingeschlagen haben.

Wir waren zunächst „nur“ Eltern, deren Kinder die Freie Waldorfschule Weimar besuchten oder noch besuchen. Dies hat sich mittlerweile geändert…

Wir alle haben wunderbare Erinnerungen an unsere Schulen, ob in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen oder Thüringen, die für unsere Kinder Heimat waren oder sind. Wir sind dankbar für gute Erfahrungen, die unsere Kinder an ihren Schule machen durften.

Doch es gab und gibt auch leidvollen Erlebnisse von Kindern, über die lange Zeit geschwiegen oder nur vereinzelt gemunkelt wurde.

Nicht nur ehemalige Schüler:innen und Eltern finden zunehmend den Mut, über gewaltvolle Erlebnisse zu berichten – Gewalt von Lehrer:innen, zum Teil über Jahre verübt und häufig nicht aufgeklärt.

In Weimar sind diese Erfahrungen von Schüler:innen und mehreren Elternhäusern 2019/2020 erstmals in offenen Briefen formuliert worden, nachdem alle Bemühungen um Anerkennung und Aufarbeitung dieser Erfahrungen scheiterten.

In Engstingen ist die Lehrkraft, welche sexualisierte verbale Übergriffe  und frauenfeindliche Kommentare von  der 5.  bis zur 7. Klasse immer wieder in den Unterricht einfließen ließ, noch dort. Es passierte 2 Jahre nichts. Nachdem Eltern nicht locker ließen,  wieder und wieder um Gespräche baten,  wurde diesen nun im Dezember 2020 der Schulvertrag gekündigt. Die Kinder wurden nicht gehört oder gar begleitet, das Kollegium schweigt und wurde ebenfalls nicht begleitet. Der BdFWS hat auf Anfragen der Eltern nicht reagiert. Das ist nur eine Geschichte aus Engstingen.

Die Konsequenzen gleichen sich an allen betroffenen Schulen. Wenn Leugnen und Verschweigen nicht mehr genügt, wird durchaus geredet, konferiert und auch eine Auseinandersetzung geführt. Im Ergebnis folgt jedoch dann regelmäßig die Desinformation von denen, die als Mehrheit nicht betroffen sind, die Ausgrenzung von Opfern und Betroffenen, das Kündigen von Schulverträgen oder der Ausschluss von Vereinsmitglieder, wenn man nicht von selbst geht.

Viele Lehrer:innen schweigen oder versuchen nur im Stillen zu helfen. Die staatliche Schulaufsicht und der Bund der Freien Waldorfschulen als Dachverband der selbständigen Schulen in freier Trägerschaft prüfen langwierig.

Fast in keinem Fall folgen Konsequenzen für die Täter:innen oder den Schulträger. Man lässt Erklärungen und Verbesserungen „für die Zukunft“ genügen. Dabei kommen Veränderungsprozesse, wenn überhaupt, selbst nach zum Teil jahrelangen Bemühungen von Elternseite nur langsam in Gang. Vielmehr gilt: Opfer weichen, Täter:innen bleiben und werden im Zweifel noch geschützt.  

Uns geht es darum, Geschehenes zu dokumentieren und aufzuzeigen, was aus unserer Sicht von Schulleitungen, den Trägervereinen, dem Bund Freier Waldorschulen sowie von der Staatlichen Schulaufsicht und politischen Verantwortungsträger:innen zu fordern ist, um – auch jenseits von straf- und arbeitsrechtlicher Konsequenzen – den Opfern und Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und ihnen Vertrauen in die Durchsetzung von gesetzlichen Anforderungen insbesondere gegenüber dem Schulträger zurückzugeben.

Wir möchten deshalb das Angebot machen unser Wissen mit Euch/Ihnen transparent und öffentlich zu teilen. Wir suchen einen solidarischen Neuanfang und bieten gerade dort offene Kommunikation, wo sie aus unterschiedlichsten Gründen bis heute innerschulisch versagt wird.

Wir sind keinesfalls objektiv oder unabhängig. Wir sind zumeist Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher, aber wir wollen etwas wagen: Wir möchten unsere Perspektive näherbringen und Euch/Sie damit erreichen.

Ob es uns gelingen kann? Wir sind zuversichtlich und voller Hoffnung. Denn wir stehen für ein vielfältiges Bildungsangebot, in der eine der demokratischen und freiheitlichen Grundordnung und damit auch Gewaltfreiheit gegenüber Schüler:innen verpflichtete Anthroposophie ihren Platz haben soll.

Die Seite www.waldorf-elternhilfe-weimar.de war der Anfang. Die letzten Wochen haben uns gezeigt, dass wir als Waldorf-Elternhilfe-Deutschland weiter machen wollen. Unser blog soll daher auch seinen Namen ändern.

Bis dahin sind wir für alle noch über info@waldorf-elternhilfe-weimar.de erreichbar und für Fragen offen, dies gilt ausdrücklich auch dann, wenn man anonym bleiben möchte.

Weimar, im Juli 2021